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Vogtlandanzeiger: Messe ist "kein Schaulaufen"

, Pressestimmen 2014

Es ist nur ein gefühlter Eindruck. Nicht alle Schulabgänger verabschiedensich erst mal in ein „Selbstfindungsjahr“. Die meisten suchen gezielt nach einer Lehrstelle. Dabei hat die Ausbildungsmesse am 16. Oktober in der Plauener Festhalle einen festen Platz in ihrem Terminkalender.

Plauen  –  Irgendwann werde man an die räumlichen Grenzen stoßen, prognostiziert die Chefin der Arbeitsagentur, Helga Lutz – Beleg dafür, dass die Ausbildungsmesse auch bei den Anbietern, den Firmen und Unternehmen des Vogtlandes, einen hohen Stellenwert genießt. Nahmen an der Erstauflage noch 65 Unternehmen teil, für deren Profil sich rund 1000 Besucher interessierten, so waren es im Vorjahr fast drei Mal so viel, die sich an den Ständen von 110 Firmen umschauten. „Die Aussteller werden von der Arbeitsagentur und der IHK gecheckt, ob sie auch tatsächlich ausbilden“, sagt Michael Barth, Geschäftsführer der Regionalkammer Plauen der IHK Chemnitz. „Ein Schaulaufen mit Aquisecharakter wollen wir vermeiden.“ Erstmals hat man sich für die Vorbereitung auch die Plauener Firma Pitcom ins Boot geholt, die eine Homepage mit dem virtuellen Ausstellungsgelände gestaltet. Die wiederum ist mit den ausstellenden Unternehmen verlinkt. Ende September soll sie an den Start gehen.
Die Zeiten, da Lehrstellen einem Lottogewinn gleichkamen, sind bekanntlich vorbei. Statistisch entfallen zwei Stellen auf einen Bewerber.

Andererseits hatten 14 Tage vor dem Ende des Ausbildungsjahres 244 junge Männer und Frauen noch keinen Vertrag in der Tasche. Entwederpassen die beiderseitigen Vorstellungen nicht zusammen – Stichwort Arbeitszeit, Arbeitsumgebung oder auch Vergütung – oder aber die Qualifikation der Bewerber passt beim besten Willen nicht zum Anforderungsprofil des Lehrbetriebes. Nichtwenige haben in den letzten Jahren das Handtuch geworfen und bilden überhaupt nicht mehr aus. Den 244 „Unversorgten“ stehen nämlich auch 418 offene Ausbildungsstellen gegenüber. Das Gros der Bewerber, so Helga Lutz, sind Realschulabgänger. Angesichts der Situation auf dem Ausbildungsmarkt hätten aber auch Hauptschüler zunehmend gute Chancen.
Die Liste der zehn beliebtesten Ausbildungsberufe bezeichnet sogar die Agenturchefin als „erstaunlich“.

An erster Stelle steht die Verkäuferin; selbst bei den jungen Männern rangiert dieser Job an vierter Stelle. Allerdings werden den 116 Bewerbern nur 50 Stellen angeboten. Mehr Bewerber als Stellen sind übrigens die Ausnahme – nur künftige Kfz-Mechatroniker müssen sich einer größeren Konkurrentschaft erwehren.

Die derzeit meisten freien Stellen vermeldet die Statistik als Kaufmann im Einzelhandel (28), selbst Plätze am Herd sind für 18 potentielle Köche noch frei. „Das sind Stellen, die man uns vor Jahren noch unter den Händen weggerissen hätte“, konstatiert auch Siegmar Degenkolb von der IHK, der sich freuen würde, wenn auch die für das Vogtland typische Textil- und Bekleidungsbranche wiederauf mehr Interesse stieße. „Mit den Arbeitsbedingungen von einst haben die in den heutigen Unternehmen nichts mehr zu tun“, wirbt er. Wohl wissend, dass die Branche noch immer um ihr Image kämpft.

Quelle: Vogtlandanzeiger vom 19.09.2014