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Freie Presse: Offene Ausbildungsstellen - Der Blick geht über die Grenze

, Pressestimmen 2014

Im Vogtland gibt es seit vier Jahren mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Die Suche nach Jugendlichen in Tschechien ist lukrativ - aber aufwändig.

Plauen. 13 Jungs aus Tschechien drängen sich dicht aneinander auf der Ausbildungsmesse in der Festhalle Plauen. Um sie herum Stände, Poster und Aufstellwände. Auf allen steht im Grunde eine Botschaft: Wir suchen Auszubildende. Die Schüler sind genau die Zielgruppe der Unternehmen, die händeringend nach Auszubildenden suchen. Das Problem: Die jungen Tschechen brauchen eine Übersetzerin, damit sie die Angebote der vogtländischen Unternehmer verstehen können.

Abgeneigt ist an den Ständen der 113 vogtländischen Betriebe niemand von der Idee, tschechische Jugendliche auszubilden. Angesichts der unbesetzten Stellen in den vergangenen vier Jahren ist das nicht verwunderlich. Im Jahrgang 2013/ 2014 blieben 418 Plätze offen. Die Wege in den Grenzregionen sind nicht weit und arbeitssuchende Jugendliche gibt es viele in Tschechien, sagt Helga Lutz von der Agentur für Arbeit in Plauen.

Gideon Türpe vom Stickereiunternehmen Rahmig und Partner aus Ellefeld trifft gestern in Plauen nicht zum ersten Mal auf junge Tschechen. Anfang Oktober reiste er nach Karlsbad/Karlovy Vary, um mit Interessierten zu sprechen. Auf der Jobmesse in Tschechien waren vier von insgesamt 22 Unternehmen aus dem Vogtland. "Wenn jemand den Biss hat, sind wir bereit zu investieren", sagt Türpe. Schließlich müsste man bei Behördengängen oder Wohnungssuche helfen.

Die fehlenden Deutschkenntnisse sorgen aber für Bedenken - und das nicht nur bei der Ellefelder Firma. "Um bei uns arbeiten zu können, muss deutsch in Wort und Schrift sitzen", erklärt Marcel Rau vom Oelsnitzer Unternehmen Sicherheitsglastechnik. Der Glashersteller stellte 2013 drei Azubis ein - drei bis vier weitere hätte das Unternehmen gerne genommen.

Die tschechischen Jugendlichen in der Festhalle sind ebenfalls skeptisch. "Es sind zwei völlig verschiedene Ausbildungssysteme. Die tschechische ist eine rein schulische Ausbildung", erklärt Hedwig Rosenbauer, die für die Arbeitsagentur die Ausländer auf der Messe betreut. "Danach wollen sie richtig arbeiten und Geld verdienen. Die Arbeitgeber wollen, wie in Deutschland üblich, dual ausbilden."

In den deutschen Nachbarregionen nach Auszubildenden zu suchen, ist laut Herbert Pscherer, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Chemnitz, keine Lösung für den Bewerbermangel: "In Thüringen, Bayern oder den anderen sächsischen Kreisen gibt es das gleiche Problem wie im Vogtland."

Mehr als 40 Absagen mussten die Veranstalter, Industrie- und Handelskammer und die Arbeitsagentur, interessierten Unternehmen erteilen. Erstmalig reichte in der Festhalle in Plauen der Platz nicht mehr aus.

113 Firmen aus dem Vogtland präsentierten 140 Berufe. Etwa 250 Ausbildungsplätze wurden auf der Messe angeboten.

Rund 2000 Jugendliche informierten sich gestern von 14 bis 18 Uhr über die Ausbildungsmöglichkeiten im Vogtland.

Quelle: freiepresse.de